MohnblütenVesna Ivkovic

Casablanca

(Dieser Text ist in etwas veränderter Form Teil des Artikels "Venus und Mars als Filmpaar", der in der astrologischen Fachzeitschrift Meridian erschienen ist.)

 

Liebe zwischen Gefühl und Verantwortung

Ein emotional verhärteter, zynischer Barbesitzer begegnet nach Jahren unter schwierigen Umständen seiner unvergessenen ehemaligen Geliebten wieder. Spätestens mit der Rolle des Rick Blaine, die ihm auf den Leib geschrieben schien, wurde Humphrey Bogart zur Ikone des Zynikers mit Gefühl.

Selbst mit Sonne, Venus und Mars in Steinbock geboren, gibt er hier einen Steinbock-Mars (der hart klingende Name passt, erinnert sogar an „rock“ – „Fels“), der in einer emotional impulsiven, zur Sentimentalität neigenden, mitfühlend fürsorglichen und sogar aufopferungsvollen Krebs-Venus-Verkörperung (eine junge, noch weich wirkende Ingrid Bergmann) sein Gegenüber findet.

Das Wiedersehen mit Ilsa, die Rick einst aus Pflichtgefühl (Steinbock!) gegenüber ihrem Ehemann verließ, fordert ihn dazu heraus, seine tief vergrabenen Gefühle anzuerkennen – um letztlich dennoch ganz saturnisch übergeordneter Pflicht und gesellschaftlicher Verantwortung den Vorzug vor den eigenen Empfindungen zu geben. Die abschließenden Worte mit denen er gegenüber Ilsa – und uns vor der Leinwand – seine Entscheidung rechtfertigt, verdeutlichen wie kaum ein anderer Satz den Krebs-Steinbock-Gegensatz von individueller Befindlichkeit und sozialer Notwendigkeit: „It doesn’t take much to see, that the problems of three little people don’t amount to a hill of beans in this crazy world.“(1)


Rollentausch – Krebs und Steinbock im Fluss

Als jedoch die Geschichte durch die Wiederbegegnung der beiden in Gang kommt, scheinen sich die Rollen zunächst umgekehrt zu haben – Rick ertränkt seine wieder erwachten Gefühlen – den Schmerz des Verlassen-worden-seins, die Wut auf Ilsa, seine noch immer lebendige Liebe zu ihr – und sein Selbstmitleid sehr „krebsig“ in zuviel Alkohol, Ilsa wiederum versucht sich darin, mit aller (Steinbock-)Härte ihre Gefühle zu verleugnen und ihrer Pflicht als Ehefrau nachzukommen.

Während Rick mit sich selbst und seinem Kummer beschäftigt ist, passiv das Kommende abwartet und sich weigert, Verantwortung zu übernehmen für eine Situation, die keineswegs nur ihn und Ilsa betrifft, sondern existentielle politische und gesellschaftliche Implikationen birgt, wird Ilsa aktiv und versucht – wieder mit aller ihr zur Verfügung stehenden Härte (so viel ist das dann letztlich nicht bei einer Krebs-Venus, wie sich erweist als ihre Gefühle hervorbrechen) – ihren Willen durchzusetzen, um ihrer Verantwortung nachzukommen.

Dieser „Rollentausch“, der astrologisch einem Wechsel zwischen Krebs- und Steinbock-Energien entspricht, trifft auch recht genau die Qualität des Austausches wie er zwischen zwei zueinander in Opposition stehenden Planeten stattfinden kann. Und im Fall von „Casablanca“ ist dieser herausfordernde Austausch der Motor der Handlung, die vom saturnischen Prinzip der Verantwortung, aber auch der Beschränkung (durch kriegsbedingte Gesetze, Verbote, Gefangenschaft, Besatzung), des Mangels (an Humanität und Freiheit) und des Verzichts (auf eigene Gefühle und deren Ausdruck ebenso wie auf Besitz und Titel) dominiert wird und sich in einem entsprechenden Umfeld entfaltet.


Der Sieg Saturns und die Disziplinierung der Gefühle

Zum Ende des Films ist die „Geschlechterordnung“ wieder hergestellt: Rick als Mars-Figur übernimmt wieder den aktiven, kämpferischen Teil – er hat eine andere Ebene der Manifestation von Steinbock-Energie erreicht: von der zynischen Gefühlsverhärtung zu verantwortungsvollem Umgang mit eigenen wie fremden Emotionen, von egoistisch-autoritärer Selbstbezogenheit zur Disziplinierung eigener Bedürfnisse und der Anerkennung höherer Gesetze.

Ilsa hingegen ist wieder ganz Krebs-Venus: hingebungsvoll, passiv geschehen lassend und von Verantwortung befreit, kann sie vollständig aus den Tiefen ihrer Gefühle schöpfen und Tränen vergießen – und sich wieder ganz der Fürsorge für ihren Ehemann widmen, der die Verkörperung der saturnischen Pflichtbezogenheit darstellt, die (lesbar als im Quadrat zu beiden stehender Waage-Saturn (2)) das Liebespaar  von seiner Selbstbezogenheit abhält.

Dieser Verantwortung und höheres Schicksal verkörpernde Ehemann heißt passend Viktor – er ist am Ende der Sieger: Saturn hat Mars dazu gebracht in seinem Sinne zu handeln (schließlich haben wir es ohnehin mit einem von Saturn beherrschten Steinbock-Mars zu tun!), und Venus widmet sich wieder ganz seinem Wohlergehen.

 

(1) „Es ist nicht schwer zu erkennen, dass die Probleme dreier kleiner Menschen keine Bedeutung haben in dieser verrückten Welt.“ (Übersetzung V.I.).
(2) Ilsas Ehemann Victor Laszlo ist ein ausgesprochen höflicher und eleganter, aber absolut unnachgiebiger und unbeugsamer „Verantwortungsträger“.

 

© Copyright 2006 Vesna Ivković



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