MohnblütenVesna Ivkovic

Astrologie und Wissenschaft

 

"Die einzigen Wahrheiten, die etwas taugen, sind Werkzeuge, die man nach Gebrauch wegwirft."
Umberto Eco in „Der Name der Rose“

 

Wissenschaft und symbolische Ordnungen

Die als naturwissenschaftliche Wahrheit geltende materialistische bzw. mechanistische Weltsicht entwickelte sich erst in den letzten zwei bis vier Jahrhunderten menschlicher Geschichte zu ihrer heutigen, dominierenden Bedeutung – und sie entstammt einem eng begrenzten Teil der Welt. Weshalb sollten wir die Wahrheiten dieses Weltbilds für glaubwürdiger halten als das in Jahrtausenden in unterschiedlichsten Kulturen mittels anderer Quellen der Erfahrung angesammelte Wissen, das sich beispielsweise in Mythen und Vorstellungsbildern überliefert und die symbolischen Ordnungen des menschlichen Geistes definiert hat? 

Inzwischen hat der Begriff der Wissenschaft längst begonnen sich von seiner positivistischen Definition als Produzentin absoluter, „naturwissenschaftlich nachprüfbarer“ Wahrheiten zu verabschieden (die Naturwissenschaften selbst sorgen dafür, wie beispielsweise die moderne Physik oder auch die Hirnforschung zeigen).
Es gibt in den Beziehungen zwischen Welt und menschlichem Geist mehr zu entdecken als Newtons kausale Mechanik und der nach menschlicher Autonomie strebende Rationalismus der Aufklärung glauben ließen.

 

Astrologie schafft Wissen

Vor drei Jahrtausenden bildete Astrologie die Grundlage aller Wissenschaft im Sinne einer systematischen Erforschung phänomenologischer Zusammenhänge und im Sinne der mittels Zeichen – d.h. in Worten, Bildern, Bewegungen – hergestellten symbolischen Ordnungen anhand derer das menschliche Bewusstsein sein Erleben, seine Erfahrung und die Erkenntnis seiner selbst und seiner Umgebung, also seiner Welt beschreibt, definiert und so letztlich gestaltet. Und damit Wissen schafft.

Das im astrologischen Code verfügbare, verschlüsselte Wissen um elementare Lebensprinzipien und ihre Entsprechungen auf jeder Ebene – der materiell manifesten und sinnlich fassbaren, der geistig-philosophischen, der emotional-psychischen – ist zu umfassend und zu wertvoll, um auf die „Esoterik-Ecke“ beschränkt zu bleiben.
Denn als Erkenntnis- und Analyseinstrument genutzt, bietet das astrologische Zeichensystem die Möglichkeit zu neuartigen und ungewöhnlichen Einblicken in die komplexen Zusammenhänge kulturwissenschaftlicher Untersuchungsgegenstände – gerade auch bei der Erforschung (populär-)kultureller Erscheinungen, die alle Entwicklungen menschlichen Bewusstseins spiegeln.

Es scheint mir daher eine lohnende Aufgabe zu sein, die Astrologie in die Mitte postmoderner wissenschaftlicher Techniken zu holen.

 

© Copyright 2006 Vesna Ivković

 



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